Zur Geschichte des Burschenvereins Rustenfelde

Eine Kirche wird durch eine feierliche Weihe ihrer Bestimmung übergeben. Seit dem 4.Jh gehörte es dazu, dass man unter dem Altar Reliquien (Überreste von Heiligen) aufbewahrte. Außer dem Altar wurde das ganze Gebäude geweiht. Seit dem Jahr 1000 war der komplizierte Ritus des Pontifikale Romanum gültig, der erst 1961 stark vereinfacht wurde. Zu einer solchen feierlichen Kirchenweihe durch einen Bischof gehörte die symbolische Reinigung der Kirche und des Hauptaltares durch das Besprengen mit Weihwasser, die förmliche  Besitznahme durch die kreuzförmige Niederschrift des griechischen und lateinischen Alphabetes mit geweihter Asche auf dem Boden der Kirche, die Beisetzung der Reliquien im Altargrab, die Salbung des Altares und die erste Eucharistiefeier. Wurde eine Kirche profaniert oder zerstört, so musste sie neu geweiht werden, bevor sie wieder der Messfeier diente.

Das festliche Jahrgedächtnis der Weihe einer Kirche dürfte wohl das jüdische Tempelweihfest  als Vorbild haben. Der Text der Bibel (1 Makk, 4,59) lautet: „Judas (der Makkabäer) fasste mit seinen Brüdern und mit der ganzen Gemeinde Israel den Beschluss, Jahr für Jahr zur selben Zeit mit festlichem Jubel die Tage der Altarweihe zu begehen und zwar acht Tage lang…“Als ältestes Zeugnis eines Kirchweihfestes ist die Schilderung des Weihefestes der Auferstehungs- und Martyriumskirche in Jerusalem (13. September um 400) von der Pilgerin Ätheria überliefert. Während des 5.Jh kam der Brauch eines solchen Jahrgedächtnisses auch nach Rom und dem gesamten Abendland. Seit dem 9.Jh wird die jährliche Kirchweihe als Freudenfest mit reichen weltlichen Lustbarkeiten gefeiert. Mit der Christianisierung der Germanen verbanden die Missionare vielfach die heidnischen Ernte- und Opferfeste mit der Feier der Einweihung eines christlichen Gotteshauses. Aus dieser Verbindung  wurde alljährlich das Kirchweihfest mit dem Festgottesdienst in Verbindung mit dem Brauchtum der einst heidnischen Erntefeste. Daher fallen auch die weitaus meisten Kirchweihfeste in die Herbstzeit. Zudem hatten die Bauern nach der Ernte Zeit und Geld zum Feiern.

Bestätigt wird diese Tatsache in einer Weisung Papst Gregor des Großen (590-604) an Bischof Augustin für die Missionierung der Angelsachsen. Da hieße es: „Die alten Göttertempel dürfen nicht zerstört, sondern sie sollen nach Zertrümmerung der Götzenbilder mit Weihwasser besprengt, mit Altären verziert und darin Reliquien niedergelegt werden. Denn wenn diese Tempel gut gebaut sind, so muss sie in Bethäuser des wahren Gottes umschaffen, damit das Volk, die Erhaltung seiner Tempel sehend, von ganzem Herzen seinen Irrtum ablegt und den wahren Gott erkennend und anbetend, die gewohnten Orte desto lieber besuche. Und weil bei den heidnischen Gottesdiensten viele Ochsen geschlachtet werden, so soll auch dieser Brauch eine christliche Umgestaltung dadurch erfahren, dass sich die Gläubigen am Kirchweihfeste oder an den Gedächtnistagen der heiligen Märtyrer um die Kirche, wo ihre Reliquien niedergelegt sind, Zelte aus Baumzweigen aufschlagen und darin Dankmahlzeiten zum Lobe Gottes feiern mögen, auf dass sie durch diese äußerlichen und sinnliche Freuden leichter für die innerlichen gewonnen werden.“

Kirchweih (Große Kirmes) war ursprünglich ein rein kirchliches Fest, dass der Weihung des Kirchenbaues und ihrer jährlichen Erinnerung diente. Die Kirche ist geistiger und baulicher Mittelpunkt vor allem der bäuerlichen Gemeinden. So ist verständlich, dass Kirchweih sowie das Patronatsfest (Patron: besonders Schutzpatron, Schutzheiliger, entlehnt aus dem Lateinischen. Das Patronat ist im 18.Jh  das Recht des Grundherren, eine Stelle (Pfarrstelle)zu besetzen, in neuerer Zeit Schirmherrschaft. /Kleine Kirmes) mit großem Aufwand gefeiert wurde- wie viele Jahresfeste eine Woche lang. Die Christen freuen sich, dass sie einen würdigen Raum für ihre Gottesdienste haben. Sie sind stolz auf ihre Kirche. Die Kirmes  war schon immer ein besonderer Höhepunkt im Leben einer Gemeinde. Die Kirmes ist also im innersten Wesen ein Jahresfest der gläubigen Gemeinde, ein Gemeindefest. Kirmes: Gottesdienst an Kirchweih/Patronatsfest der Kirche, das Wort Kirmes ist zusammengesetzt aus den beiden Wörtern „Kirche“ und „Messe“ zu dem Wort „Kirchmesse“. Die Wortform Kirmes ist besonders im mitteldeutschen Raum gebräuchlich. Der damit verbundene Jahrmarkt mit seinen weltlichen Vergnügen und Ausschweifungen zog auch Leute von fern an. Sobald der Festgottesdienst zu Ende war, wurde der Jahrmarkt eröffnet. Daraus entstanden die sich immer mehr verselbstständigenden Verkaufsmessen. (Frankfurt, Leipzig, Hannover) Bei den Dorfkirmessen in unserem Raum sind vielerorts auch Schausteller vertreten.

Da die Kirchen unterschiedlichen Heiligen geweiht waren, fand immer irgendwo eine Kirmes statt. Die Wahl der Schutzheiligen ergab sich seit früher Zeit im Bereich der Kirchenpatrozinien aus schon vorhandenen Märtyrergräber, Reliquien oder aus dem mit einem Ort verbundenen Wirken eines Heiligen. Im späten Mittelalter wurde besonders die Wahl eines Zunft-, Gilde- oder Bruderschaftspatrons aus speziellen, dem Heiligen zugesprochenen Eigenschaften abgeleitet. Auch Heiligenattribute konnten mit besonderen Zunft- und Gildetätigkeiten in Verbindung gebracht werden.

Im Allgemeinen war die Wahl der/des Schutzheiligen entsprechend seiner Glaubensbedeutung an das Gewicht der jeweiligen Gemeinde gebunden. Das Martinpatrozinium ist –entsprechend der territorialen Zugehörigkeit- auf dem Eichsfeld besonders häufig anzutreffen (10 mal). Das Eichsfeld gehörte bis zum Jahr 1802 zum Kurfürstentum Mainz. Der Patron von Kurmainz war der Heilige Martin. Verbreitet sind auch das Marien-(9 mal), Johannes der Täufer (9 mal) sowie das Petrus und Paulus- Patrozinium (7 mal). Die Kirche in Rustenfelde ist den Apostelfürsten Petrus und Paulus geweiht. Weshalb die Wahl als Schutzheilige auf sie fiel, ist heute nicht mehr bekannt. Die St. Peter und Paul geweihten Kirchen gelten im Allgemeinen als alte Patrozinien. Im Eichsfeld wurden wohl die ersten aus Steinen erbauten Kirchen im 12.Jh errichtet. Unsere Pfarrei wurde, nach heutigen Stand, erstmalig 1464 erwähnt. Das Dorf Rustenfelde erscheint erstmalig 1318  in den Urkunden. Es gibt aber Hinweise, dass es wesentlich älter ist. Der Turm der Kirche stammt aus dem Jahr 1569. In der Zeit vor 1610 hatten  die Herren von Stockhausen das weltliche Patronat über die Kirche. Da die Herren von Stockhausen den evangelischen Glauben annahmen, übernahm das Kurfürstentum Mainz die Schutzherrschaft. Von 1550 bis 1665 war die Pfarrei mit der von Kirchgandern vereinigt. Seit1665 wieder eigenständig, kam die Filiale Marth hinzu. Sie gehörte davor zur Burgkaplanei der Burg Rusteberg. Am 22. Juli 1749 erfolgte die Weihe eines neuen Kirchenschiffes. Die Weihe vollzog der Weihbischof von Erfurt Johann Friedrich von Lasser. Die Gebrüder Osburg, die aus Rustenfelde gebürtig waren und in Wien gehobene Stellungen am Stephansdom bzw. am kaiserlichen Hof innehatten, gaben einen großen Geldbetrag für die Innenausstattung der Kirche. Ebenso geht die Gründung des Hospitals auf sie zurück. Heute befindet sich dort das Pfarrzentrum sowie der Kindergarten.

Infolge der Bauschäden sowie der gewachsenen Einwohnerzahl sah man sich gezwungen, das Kirchenschiff nach dem Patronatsfest 1907 abzutragen und vergrößert aufzubauen. In einem Zeitungsbericht vom 30. September 1907 hieß es: „Ein eichsfeldisches Dorf ohne Kirchweihfest ist in diesem Jahr Rustenfelde, da der Neubau des Gotteshauses noch nicht vollendet ist und daher auch keine kirchliche Weihe erhalten konnte. Soll nun das Kirchweihfest seine eigentliche Bedeutung nicht verlieren, so schreibt man uns von hier, so darf von einer weltlichen Feier am kommenden Sonntag keine Rede sein.“ Dieser Neubau wurde am 9. Juni 1911 von Bischof Karl Josef Schulte aus Paderborn geweiht. Unsere jetzige Kirche ist mindestens der dritte Kirchenbau an dieser Stelle.

Da das Patronatsfest und das Kirchweihfest zeitlich sehr dicht zusammen lagen, verlegte man die Feier des Kirchweihfestes in den Herbst. Bis zum Jahr 1906 war der Termin der Großen Kirmes in Rustenfelde der Sonntag nach Michael (29. September). Nach dem Neubau des Kirchenschiffes verlegte man diesen Termin noch weiter in den Herbst zurück, um die noch laufende Ernte durch die Feier nicht zu behindern. Nach der Ernte, wenn die Arbeit getan war und frisch Vorräte zu Schmaus und Schwelgereien angelegt waren, konnte gut Kirmes gefeiert werden. Auf diese Weise ging das Brauchtum des Erntedanks auf die Kirmes über. Dabei haben die Rustenfelder wohl tüchtig zugelangt, denn ihr Spitzname ist „Rustenfelder Tellerlecker“.

Ob die Leute, die dieses Fest früher organisiert haben, sich Kirmesburschen genannt haben und in einem Verein oder Vereinigung waren, weiß heute niemand mehr. Jedenfalls dürfte der Kirmesburschenverein, wenn nicht der älteste Verein, der mit den längsten Traditionen sein. Die jungen Burschen schlossen sich zu einer Art Körperschaft (Burschenverein) zusammen und wählten aus ihrer Mitte Platzmeister. Die Platzmeister trugen die Hauptverantwortung bei der Durchführung der Kirmes. Das Wort Bursche steht für den Begriff junger Mann. Dieser Begriff wurde dann auf die Gemeinschaft junger Burschen übertragen, die die Kirmes organisieren.

Die Festorte der Kirmes sind die Kirche, der Anger (später der Saal) und die Gaststätte. Der Festplatz der Gemeinde ist der Anger. Dort wurde der Tanz anlässlich der Kirmes durchgeführt. Später verlagerte sich die Tanzveranstaltung in den Saal der Gaststätten. Dies vollzog sich wohl Mitte bis Ende des 19.Jh. Der Anger ist der zentrale Platz im Mittelpunkt des Dorfes. Der Anger war in früherer Zeit der dörfliche Gerichtsplatz. Auf ihm stand die Linde. Die Linde diente bis in späte Mittelalter als Rechtsbaum. Linden pflanzte man auf öffentlichen Plätzen und Hügeln, um unter ihnen Gerichtstage abzuhalten oder gar an Ort und Stelle die gefällten Urteile zu vollstrecken. Oft hat man die die Zweige  des  Angerbaumes in die Breite geleitet und so ein natürliches Blätterdach geschaffen. Die Linde auf dem Rustenfelder Anger ist mindestens 250 Jahre alt. Umgeben ist der Anger mit der Angermauer, die ihn zu einem abgegrenzten Rechtsbezirk machte. Sie diente den Männern der Dorfgemeinschaft als Sitzplätze bei Beratungen und Rechtsverhandlungen unter Vorsitz des Schulzen, der am Angertisch aus einer großen Sandsteinplatte Platz nahm.

Neben den rechtlichen Zwecken diente der Dorfanger auch geselligen Anlässen (Kirmes) –das “Mauerblümchen“ hat seinen Namen von der Angermauer, auf der es bei der Kirmes ohne Tanzpartner sitzen blieb. Es gab schon Sitten und Bräuche, wenn z.B. ein Mädchen auf dem Anger einen „Korb“ gab, konnte es vorkommen, dass es vom Platz gespielt wurde. Tanzte es ohne Ehre, so wurden in früheren Zeiten der Anger mit einem Strohfeuer „ausgebrannt“. Als noch keine Schausteller aus Anlass der Kirmes ins Dorf kamen, vertrieben sich die Kinder die Zeit mit Spielen auf dem Anger. Später war er dann Standort von Karussell, Schiessbude und Luftschaukel. In Rustenfelde ist die Bezeichnung Anger nicht gebräuchlich. Der Platz unweit der Kirche ist nur unter der Bezeichnung Spellhob bekannt. Dieser Spellhob weist sich aber eindeutig als Anger des Dorfes aus. Spellhob = Spielhof, steht für Spiel, Zeitvertreib, Scherz, Unterhaltung, Vergnügen und Wettkampf. Heute besinnt man sich wieder auf die historische Funktion des Spellhob und nutzt ihn für Dorffeste, Gottesdienste und andere Veranstaltungen.

Im 15.Jh und danach herrschte oftmals während der Kirmes sowie in der Karnevalzeit Zügel- und Sittenlosigkeit beim Tanzen. Die Kurfürstliche Regierung ließ Statuten und Gesetze verkünden, die die Moral wiederherstellen und die Sittenlosigkeit eindämmen sollten. Die Unmoral musste wohl derartige Ausmaße angenommen haben, dass auf die Überschreitung der Gebote Naturalabgaben als Strafen standen. Besonders an den drei „Torentagen“ vor Aschermittwoch arteten die Vergnügen aus. Raufereien und Unglücksfälle gab es häufig. Deshalb wurde verordnet, dass niemand beim Tanzen Messer zum Stechen tragen sollte. Sogar Brände waren die Folge des wilden, aufreizenden Tanzens. Eine weitere Verordnung besagte: „Niemand soll des Abends mit Fackeln tanzen. Strafe 10 Schilling“. Diese Verordnung wurde von den Schulzen und Schöffen überwacht. Die Fastnacht war die Zeit, den Winter „auszutreiben“. Am Aschermittwoch war der Mummenschwanz vorbei. Früher fehlte keiner beim Aschermittwochsgottesdienst mit  Verteilung des Aschenkreuzes. Die anschließende Fastenzeit bis Ostern war, besonders für diejenigen, die es ernst meinten, keine leichte Zeit.

Seit vielen Jahren wird in Rustenfelde schon Karneval gefeiert. Hier ist der Name Fastnacht gebräuchlich. Die zu Fastnacht durchgeführten Bräuche sind sehr alt und somit ist daraus zu schließen, dass schon viele Jahrzehnte wenn nicht sogar Jahrhunderte hier Fastnacht gefeiert wird. Der Umzug am Rosenmontag wurde seit mindestens den 20er Jahren durchgeführt, wie noch lebende Zeitzeugen berichten. Es lässt sich aber nicht mehr feststellen, seit wann es diese Tradition gibt. In  Rustenfelde wird die Fastnacht durch den Burschenverein organisiert. Einen eigenen Karnevalsverein gibt es hier nicht. Von Urzeit her stand in direkten Zusammenhang mit dem närrischen Fastnachtstreiben das Verjagen der böser Geister. Später knüpften die alljährlichen Sitten an die bevorstehende Fastenzeit an. Am „Fetten Donnerstag“, dem Donnerstag vor Fastnacht, wurde noch einmal richtig „Fettlebe“ veranstaltet. Am Rosenmontag gehen verkleidete Burschen reihum durch das Dorf und sammeln heimische Gaben. Meistens sind es sechs, manchmal auch mehr Masken. Auch der Strohbär tritt bei dieser Gelegenheit auf. Der zu Fastnacht in Stroh gehüllte Bär ist das Sinnbild des zu überwindenden Winters. Der Strohbär ist wahrscheinlich Teil eins heidnischen Rituals aus germanischer Zeit. Der Bär wird an einem Strick durch das Dorf geführt, was versinnbildlichen soll, dass der Winter jetzt keine Macht mehr besitzt. Man hat ihn ja gefesselt und lässt ihn tanzen. Ein Fastnachtsbursche wird von Kopf bis Fuß mit Stroh umwickelt und vom Bärenführer, unter dem lauten Vergnügen der Kinder durchs Dorf geleitet. Der possierliche Bär muss überall seine Kunststücke zeigen und zur Musik tanzen. Passt der Bärenführer nicht auf, reißt der Bär aus und will die Kinder und alle, die am Wegrand stehen, erschrecken. Nähert sich ein Auto, wird der Weg versperrt und nicht eher wieder freigegeben, bis der Autofahrer einen kleinen Wegezoll entrichtet hat. Die Dorfbewohner halten schmackhafte Würste für die sammelnden Masken bereit. An langen Würstestangen baumeln die spendierten Würste oder sie liegen in einem mitgeführten Korb, worin sich bei Beendigung des Umzuges auch einige Eier befinden. In der Zigarrenfabrik gab es, solange sie bestand, für das dargebrachte Ständchen Zigarren.

Beim anschließenden gemeinsamen Frühschoppen werden dann die gesammelten Gaben verzehrt. Während des Frühschoppens erfolgt das Rasieren der Neulinge. Die jungen Burschen im Alter von 14 Jahren aufwärts werden durch die Rasur zu jungen Männern gemacht und in den Kreis der das Fest veranstaltenden männlichen Jugend aufgenommen. Bei dieser deftigen Prozedur werden sie kräftig eingeseift und mit einem übergroßen Holzmesser rasiert. Die Älteren treiben dabei mit den Jugendlichen so manchen Schabernack. Die Wurzel des Brauches liegt sicher im heidnischen Mannbarkeitskult. Heute gilt die Rasur als Aufnahmeritus in die Burschenschaft. Die aufgenommenen Burschen werden ermahnt, „ihren Mann“ zu stehen, sich den Mädchen gegenüber galant zu zeigen, trinkfest und spaßig zu sein, damit die Kirmes/Fastnacht weit und breit in einem guten Ruf steht. Dann kommen die Burschen an die Reihe, die im vergangenen Jahr geheiratet haben. Ihnen werden die „Hörner“ abgesägt. Eine „schwierige und schmerzhafte Angelegenheit“ . Sie haben die „Hörner“ jetzt ja nicht mehr nötig. Es erfolgen dann noch die Gesellen-, Meister- und Ingenieurschläge. Die Schläge sowie das Hörnerabsägen können aber auch bei Bedarf zum Frühschoppen der Kleinen und Großen Kirmes erfolgen. Bei der Prozedur des Schlagens muss sich der Delinquent auf zwei Stühle gelegt, sodass der Körperschwerpunkt sich frei zwischen den zwei Stühlen befindet. Dann erfolgt durch einen älteren Gesellen/Meister/Ingenieur mit einem starken Knüppel der kräftige Schlag auf das Gesäß. Nunmehr sind sie in ihrem Berufsstand vollwertige Mitglieder. Dieser Brauch kommt wohl aus dem Mittelalter von alten Zunftbräuchen, die den Freispruch der Lehrlinge bedeutete. Fastnacht und Kirmes waren in früher Zeit, mehr als heute, ein Fest der Männer. In den letzten Jahrzehnten sind die Frauen, vor allen Dingen bei der Fastnacht, erheblich in die Domäne der Männer eingebrochen.

Die Feier der Kirmes war der Arbeitsmoral und Sitte nicht immer zugänglich. In der Dorfeinigung, einer Gerichtsordnung des Jahres 1569, wurden für die Bevölkerung in den Dörfern Bedingungen festgelegt. Eine von ihnen, die Verfügung Nr. 9, soll hier zitiert sein: „Die Kirmes soll mit Singen und Predigt begangen werden und nur ein Tag dauern. Keiner darf mehr wie sechs Gäste haben und mehr wie drei Gerichte aufsetzen“. Immer wieder hatte sich die Kirmes dem Zugriff der jeweiligen politischen Zeitströmungen zu erwehren. Doch das Volk hatte Sitten und Bräuche, in fast allen Orten von jeher geübt und jährlich wiederholt, bis in unsere Zeit getragen. Leider gingen aber doch einige Bräuche im Laufe der Zeit verloren oder werden nicht mehr durchgeführt. Sicher, es hat sich durch den sozialen und kulturellen Wandel auch die Feier der Kirmes verändert. So hat sie an Urwüchsigkeit eingebüßt. Auch heute verleiht das reichhaltige Brauchtum der Kirmes den besonderen Charakter eines Volksfestes. Die Feierlichkeiten gehen stets mit Schmausereien, Gesang, Tanz und anderen Lustbarkeiten einher.

Im 19.Jh  ging man mit Verboten und Strafen gegen die Kirmesbräuche vor. In einer Bekanntmachung vom 2.Juli 1824 hieß es: „Durch unsere Bekanntmachung vom 6. Dezember 1822 haben wir bereits auf höhere Anweisung der Kurmainzischen Regierungsverordnung vom 6. Juni1800 in Erinnerung gebracht, wonach vom 1. Mai bis 1. Oktober nur nachts 10 Uhr und vom 1. Oktober bis zum 1. Mai hingegen nur bis 9 Uhr des Nachts, sowohl bei Kirchweihen als anderen Gelegenheiten es ist erlaubt Nachtmusiken zu bringen; dass jeder Musikanten der nach der bestimmten Zeit noch  Musik, mit 10Rtl Strafe belegt und jeder andere, welche die Musik veranlasst oder in Wirtshäuser nach dieser Zeit tanzen lässt, mit 2Rtl bestraft werden soll. Ein Drittel dieser Strafe erhält der Anzeiger und zwei Drittel sollen in die Armenkasse bezahlt werden. Wir sehen uns daher veranlasst, die Bekanntmachung zur Nachachtung hiermit  zu wiederholen.“ Auch später gab es immer wieder Verbote und Einschränkungen, wie zum Beispiel im 3. Reich oder zu DDR Zeiten.

Die Kirmes ist ein Fest lauter, ausgelassener Fröhlichkeit für die Jugend, doch lassen sich auch die älteren Dorfbewohner dieses Fest etwas kosten. Man erzählt, dass man früher, als die Verhältnisse und vor allem Dingen  das Geld noch knapper waren, das ganze Jahr hindurch auf diese Feste gespart hat, um es ordentlich feiern zu können.

In Rustenfelde bestanden bis Ende der 40er Jahre zwei Gaststätten. Zum einen gab es die „Farbe“, deren Eigentümer die Familie Stubinitzky war. Das Grundstück mit Gaststätte und Saal in den 80er Jahren in den Besitz der Gemeinde über und wird auch noch heute für gastronomische Zwecke genutzt. Die zweite Gaststätte hatte den Namen „Zur Krone“ und gehörte der Familie Sittel. In den letzten Jahren ihres Bestehens war sie verpachtet. Im Jahr 1910 baute der damalig Besitzer Josef Sittel auch einen Saal. Die Kirmestänze fanden nun abwechselnd auf dem „Färbersaal“ und auf dem „Kronesaal“ statt. Der „Kronesaal“ war unterteilt in einen großen und in einen kleinen Saal. In den großen Saal hielt dann die Zigarrenfabrik Einzug. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der kleine Saal für Kinoveranstaltungen genutzt. Die Gaststätten wurden durch Ständers Brauerei aus Heiligenstadt beliefert. Auch das Eis zur Kühlung des Bieres wurde von dort geliefert. Eine Unterbrechung der weltlichen Feier der Kirmes und der Fastnacht bedeutete der 1. Weltkrieg. Öffentliche Tanzveranstaltungen fanden nicht mehr statt. Viele Burschen sind in diesem Krieg gefallen oder verwundet worden.

Ein nicht mehr durchgeführter Brauch war das Hammelreiten. Es wurde zur Großen Kirmes im Herbst durchgeführt. Dieser Brauch geht sicher auf die Dankopferriten der Germanen zurück. Als Dankopfer für die gute Ernte wurden den Göttern Tiere geopfert. Es wurde ein Wettrennen mit  Hammeln veranstaltet, auf denen die Burschen als Reiter saßen. Dabei wurde mancher Unsinn getrieben. Dem Sieger winkte ein Preis. Der geschmückte Siegerhammel wurde dann ins Dorf geführt und später geschlachtet und von den Burschen verspeist. Nach dem 1. Weltkrieg ist dieser Wettkampf sportlicher und erhabener dann mit Pferden durchgeführt worden. Ort des Geschehens waren die Wiesen unterhalb des Sunders. Dem Sieger wurde als Prämie ein Hammel überreicht. Nach  einem solchen Rennen ging ein Pferd, wahrscheinlich durch Überforderung, ein. In der damaligen Zeit war das ein großer Schaden. Nach diesem Geschehen nahm man von diesem Brauch Abschied und er schlief ein. Früher galt Kaldaunensuppe aus den Innereien das Hammels oder Schafes als ein beliebter Nachtisch bei der Kirmes. Sie wurde süß/sauer mit Rosinen, Pflaumenmus und Pfefferkuchen hergestellt.

1930 wurde die Kleine Kirmes wegen Unstimmigkeiten zwischen dem Wirt und den Burschen auf Stitz Wiese an der Krebesgasse gefeiert. Dort wurde ein Schwungsaal sowie ein Bühne für die Kapelle aufgebaut. Der Ausschank erfolgte bei Ludolphs (später Riethmüller) unter dem Schuppen. In einem Zeitungsbericht war dazu folgendes  zu lesen: „Unsere Kirmes wird in diesem Jahr am 29. und 30. Juni im Freien gefeiert. Die Burschen sind schon seit einer Woche fleißig dabei, das Tanzzelt herzurichten. Auch wird für Volksbelustigungen gesorgt werden. Es wird auf die heutige Anzeige hingewiesen.“ Anzeige: „Achtung, Achtung! Die Kirmes ohne Wirt. Das die Burschen jetzt im Freien feiern ist ganz schön und nett. Wer nun einmal will  fröhlich sein, der kehre bei den Burschen ein. Drum: Auf zum Rustenfelder Burschenverein, es soll ein jeder willkommen sein. Die Burschenvereinigung Für Speisen und Getränke ist bestens gesorgt.“ Zur Großen Kirmes 1930 war folgendes zu lesen: „Auf nach Rustenfelde, zu der am Sonntag, dem 19.10.1930 stattfindenden Kirmesfeier ladet freundlichst ein Gastwirt Stubenitzky. Für Damen Tanz frei.“

Vor dem 2. Weltkrieg wurde bei den Tanzveranstaltungen kein oder nur geringer Eintritt kassiert. Es wurde Tanzgeld von den Tanzenden nach bzw. während des Tanzes bei den Platzmeistern entrichtet. Wenn die Musik endete, musste die Tanzfläche wieder verlassen werden. In dieser Zeit spielten meistens die Kapellen Füllgrage aus Reiffenhausen oder Vocke aus Heiligenstadt. Die Musiker wurden jeweils von den Platzmeistern und Burschen mit nach Hause genommen. Ein beliebter Tanz war die Polonaise. Vom Sittelschen Saal zog man entlang des Sengeschen Hauses (ehemals Haus Nr. 1) entlang des Friedhofes und wieder auf den Saal zurück. Vom Stubenitzkyschen Saal zog man aus einer Tür aus und über den Färberhof und zurück wieder durch die andere Tür auf den Saal. Auch wurden, wenn das Wetter schön war, auf den Höfen zusätzliche Tische und Stühle aufgestellt.

Eine weitere Anzeige: „Zur Kirmesfeier am Montag dem 29. und Dienstag, den 30. Juni 1931 laden freundlich ein- Die Burschen und Gastwirt Stubenitzky. Frisch geschlachtet!!!“

Nach einer Theateraufführung bei einem Wintervergnügen der Kolpingfamilie am 10.01.1933 kam es zu einem Brand des Saales der Gastwirtschaft Stubenitzky. Der Saal, die Wirtschaftsgebäude, ein Teil des Wohnhauses sowie ein Teil der Scheune des Gehöftes Pingel wurden ein Raub der Flammen. Nach den Aufräumungsarbeiten wurde der Saal neu errichtet.

26. Juni 1934 „ Aus der Eichsfeldischen Heimat“, Rubrik in der Tageszeitung, „Peter und Paul kirchlicher Feiertag. Um vielen Fragen zu begegnen, sei mitgeteilt, dass die Feste Peter und Paul, Maria Himmelfahrt, Allerheiligen, hl. Drei Könige und Fronleichnam nach der Polizeiverordnung vom 19.05.1934 zum Schutze der kirchliche Feiertage in überwiegend katholischen Orten als Feiertage im Sinne der durch die gleiche Polizeiverordnung geschützten übrigen staatlichen Feiertage gelten. Die Verordnung trifft also auch auf das Eichsfeld zu.“ Das Patronatsfest wurde immer bis 1967, als einige kirchliche Feiertage vom Staat abgeschafft wurden, immer auf den 29. und 30. Juni gefeiert, egal auf welchen Wochentag das Fest fiel. Nach 1967 wurde die Kleine Kirmes entweder am Sonntag und Montag vor Peter und Paul oder danach gefeiert, je nachdem in welchem Wochenabschnitt der Tag lag.

Eine weitere Anzeige: „Auf nach Rustenfelde! Zu der am Sonntag, dem 23. und Montag, dem 24. Oktober1938 stattfindenden Kirmesfeier laden freundlichst ein Die Burschen und der Gastwirt Hebestreit. (Wirt der Gaststätte „Zur Krone“) Speisen und Getränke in bekannter Güte.“

Mit Beginn des 2. Weltkrieges fanden keine öffentlichen Tanzveranstaltungen mehr statt. Viele Burschen wurden in den Wehrdienst eingezogen. Viele kamen nicht mehr nach Hause. Andere erhielten Verwundungen, die sie ein Leben lang behinderten. Einige mussten eine sehr lange Kriegsgefangenschaft erdulden. Kirmes in Rustenfelde wurde immer gefeiert. In den Kriegsjahren aber nur entsprechende kirchliche Feiern. Weltliche Feiern gab es nicht. Mit Wirkung vom 4.10.1939 war vorerst aus Kriegsgründen das Läuten der Kirchenglocken verboten, sodass die Kirchweih ohne Glockengeläut stattfand. Diese Verfügung wurde dann später wieder aufgehoben.

Die erste Kirmes, die nach dem Krieg wieder mit einer weltlichen Feier und einer Tanzveranstaltung begangen wurde, war das Patronatsfest im Sommer 1946. Vorher gab es von der amerikanischen, später der sowjetischen Besatzungsmacht keine Genehmigung für öffentliche Feiern. Zu dieser Kirmesfeier kamen sogar 80-100 entlassene Kriegsgefangene aus dem Entlassungslager in Friedland und feierten die Kirmes mit.

Die entsprechende Anzeige in der Zeitung: „Auf nach Rustenfelde! Zu der am Samstag, dem 29. und Sonntag, dem 30. Juni 1946 stattfindenden Kirmesfeier ladet ein: Die Jugendgruppe- Ab 15 Uhr Tanz- Es spielt eine erstklassige Tanzkapelle.“

Eine Bekanntmachung aus der Zeitung „Das Volk“ vom 8. Februar 1946: „Die FDJ spricht: An alle Bürgermeister! Auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration geben wir bekannt, dass alle Veranstaltungen, die die Jugend betreffen (Tanzveranstaltungen usw.) dem Kreisausschuss Heiligenstadt zur Genehmigung vorgelegt werden müssen. Wir machen bei Zuwiderhandlungen  die Bürgermeister verantwortlich. Kreisjugendausschuss der FDJ.“

Eine weitere Ankündigung: „Auf zur Kirmes nach Rustenfelde am Sonntag, den 20. und Montag, den 21.10.1946 Tanz ab 15 Uhr. Es spielt die beliebte Kapelle „Eib“. Es ladet ein. Die Jugendgruppe.“

Jeweils nach den Kriegen war es besonders schwierig, die Kirmes zu organisieren und vorzubereiten, um sie in alter Sitte und nach den üblichen Gebräuchen zu feiern. Dazu bedurfte es vieler Einfälle und Tätigkeiten wegen der damals bestehenden schlechten Versorgungslage. Ohne „Schnaps brennen“ und „schwarz schlachten“ wären es magere Feiern geworden.
Hier sollen noch zwei  weitere Ankündigungen wiedergegeben werden: „Zur Kirmesnachfeier in Rustenfelde am Sonntag, den 8.8.1948, ab 15 Uhr ladet herzlich ein: Die FDJ – Es spielt die beliebte Kapelle Hartmann.

Auf zur Kirmes nach Rustenfelde am 24. und 25. Oktober 1948. Es laden ein: Die Kirmesburschen. Beginn jeweils um 15 Uhr. Es spielt Kapelle Hartmann.“

Noch bis Anfang der 50er Jahre kamen Besucher aus den Nachbarorten jenseits der Grenze zum Kirmestanz nach Rustenfelde oder die Rustenfelder besuchten die dortigen Tanzveranstaltungen. Dann wurde die Grenze immer mehr verstärkt und die Besuche waren nicht mehr möglich.“

Rosenmontag 1951 kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen den  Rustenfeldern und den Grenzpolizisten auf dem Saal. Bei der anschließenden Schlägerei gab es einige Verletzte. Sogar das Überfallkommando rückte an. Diese Auseinandersetzung wurde als Angriff auf die Grenzpolizei gesehen und politisch gewertet. Einige Rustenfelder wurden sogar mit Gefängnis bestraft.

Nach dem Aufstand am 17. Juni 1953 war über die DDR ab 21 Uhr eine Ausgangssperre verhängt worden. Zur Kleinen Kirmes in diesem Jahr fand keine Tanzveranstaltung statt. Alle abendlichen Aktivitäten fielen aus. Obwohl keine Musik stattfand, wurde die Kirmes kräftig gefeiert. Die Große Kirmes 1954 wurde an beiden Tagen mit Tanz ab 15 Uhr begangen. In der Anzeige war zu lesen, dass die Veranstalter und der Gastwirt zu dieser Kirmes einluden.

In der Regel hatten die Kirmessen sowie Fastnacht folgenden Ablauf:
Am Vortag der Kirmes ist großer Haus- und Hofputz. Zum Patronatsfest wird der Schmuck für die Häuser und Straßen in Form von Fahnen, Girlanden, Kränzen und Büschen vorbereitet. Vor der Großen Kirmes soll möglichst die Ernte eingebracht sein. Die letzten Tage vor dem Fest haben die Frauen reichlich Arbeit. Schmand- und anderer Kuchen verbreiten ihren Duft über das ganze Dorf. Auf guten Kuchen wird großer Wert gelegt. In den Küchen wird gebacken und gekocht. Die neuen Kleider und Anzüge für Mädchen und Burschen sind beschafft. Zur Kirmes muss das neue Kleid gezeigt werden. Die Platzmeister haben die Listen, in der die Burschen für die Kirmes eingetragen werden, auf den neusten Stand gebracht. Die Musikanten sind bestellt. Die Kirmesmusik ist Sache der Platzmeister. Der Saal wird für die Feier geschmückt. Die Kirmes beginnt durch das feierliche Geläut der Kirchenglocken am Samstagabend. Zur Kirmes kommen die Verwandten, Söhne und Töchter, die in der Ferne wohnen.

Am Samstag bzw. am Vorabend des Patronatsfestes fand die Burschenversammlung statt. Hier wurde die Kirmes/Fastnacht ausgegraben bzw. angetrunken. Das Ausgraben bzw. Beerdigen der Kirmes wurde nur einige Male durchgeführt, da einige Witzbolde die vergrabene Schnapsflasche wieder ausgruben und sie austranken. Dieser Brauch wird nicht mehr praktiziert. Es werden organisatorische Fragen geklärt. (Kassenbesetzung, Säuberung, Essen, bei auswärtigen Kapellen Schlafplätze für die Musiker, Verkleidung der Masken und des Strohbärs und sonstige organisatorische Fragen). Durch einen finanziellen Beitrag der Burschen sind sie Mithalter der Kirmes, brauchen keinen extra Eintritt zu zahlen und sind am Gewinn und Verlust mit beteiligt. Falls Gewinn erwirtschaftet wird, kann man im Laufe des Jahres noch einige Tanzveranstaltungen durchführen. (Kirmesvor- bzw. –nachfeier, Neujahrstanz usw.) Die Organisation und Durchführung der Kirmes und der Fastnacht liegen traditionell in den Händen der Platzmeister, welche eigentlich unverheiratete Burschen sein sollten. Das es in den verschiedenen Jahren Schwierigkeiten bei der Suche nach geeigneten Kandidaten für das Platzmeisteramt gab, ging man in Rustenfelde von dieser Regelung ab. Auch Verheiratete haben sich schon oft bei dieser verantwortungsvollen Aufgabe bewährt. Bis Ende der 70er Jahre wurde die Kirmes meist nur von zwei Platzmeistern organisiert. Da aber oftmals der Wehrdienst während der Amtszeit von einem Platzmeister geleistet werden musste, führte man die Kirmes/Fastnacht mit drei Platzmeistern durch. Diese Variante hatte nur kurzen Bestand und man ging dazu über, dass zwei jüngere und zwei ältere Platzmeister (oftmals zum zweiten Mal Platzmeister) die Kirmes gestalteten. In der Praxis hat sich diese gut bewährt. Als Hauptverantwortliche sind sie mit einem Blumenstrauß  am Revers gekennzeichnet, teilweise auch eine Schärpe getragen und zu Fastnacht trugen sie einheitlich Narrenkappen. Bei der Burschenversammlung anlässlich Fastnacht werden die Platzmeister für die neue Saison gewählt und bekannt gegeben. Die Amtszeit umfasst das Patronatsfest, das Kirchweihfest sowie die Fastnacht. Nach Erledigung aller Aufgaben, die mit der Fastnacht zusammenhängen, wird die Verantwortung an die neuen Platzmeister übergeben. Bei den Burschenversammlungen ging es oftmals hoch her und die Kirmes/Fastnacht wurde kräftig angetrunken.

Am Morgen des Patronatsfestes wird das Dorf festlich geschmückt. Häuser und Straßen erhalten ein festliches Gewand. Dieser Schmuck besteht aus jungen Birken am Wegesrand, Girlanden, die über Straßen gespannt sind (früher auch gewickelte Girlanden aus Eichenlaub oder Fichtenzweigen, damit wurden auch die Häuser geschmückt), großen Kirchenfahnen sowie Fähnchen am Wegesrand. Die Fenster der Häuser sind mit Blumen, Heiligenbilder und teilweise mit Kerzen geschmückt. Dann rufen die Glocken mit festlichem Geläut zum Kirmeshochamt. Der gemeinsame Kirchgang ist Ehrenpflicht aller Mifeiernden. Beim Festhochamt ist oftmals ein fremder Geistlicher anwesend, der die Festpredigt hält. Als der Gesangverein noch bestand, verschönerte er das Hochamt manchmal mit seinem Gesang. Nach dem Hochamt mit Aussetzung, TeDeum und Segen zieht die ganze Gemeinde in Prozessionsordnung (Fahnen, Männer und Burschen, Blaskapelle, Kommunionkinder mit ihren Kerzen, Messdiener, der Himmel (Baldachin) getragen von den Platzmeistern (was für sie eine Ehrenpflicht ist), unter dem Himmel der Pfarrer, der in der Monstranz den Heiland durch das Dorf trägt, eingerahmt von den Mitgliedern des Kirchenvorstandes, die Laternen in ihren Händen halten, dann die Mädchen und die Frauen) um das Dorf. An vier Altären wird das Evangelium verlesen, Fürbitte gehalten und der Segen gespendet. Die Prozession geht von der Kirche in Richtung Ortsausgang Rohrberg. Bei den Grundstücken Wehr/Windolph ist vor der Klus ein Altar aufgestellt. Dort ist die erste Station. Dann zieht man weiter in Richtung Zimmerplatz, biegt dann rechts ab und hält an der Straßengabelung Schachtebicher/Burgwälder Weg, wo eine weitere Klus steht. Dort wird die zweite Station gehalten. Von hieraus geht es in Richtung Hauptstraße und biegt bei Faltens Ecke nach rechts in die Kalitsche ein. Vor dem Grundstück Hünermund ist der dritte Altar aufgestellt. Als letzte Station ist der Altar vor dem Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges aufgebaut. Dort findet die Prozession ihren Abschluss. Ab 1974 bis Anfang der 90er Jahre gab es eine Routenänderung, weil die Straße zum Zimmerplatz in einem sehr schlechten Zustand war. Die Wegänderung bestand darin, dass man vom ersten Altar wieder zurück in Richtung Kirche zog, dann hinunter zum Bach weiter durch Krebesgasse zur Klus an der Straßengabelung Schachtebicher/Burgwälder Weg. Der weitere Verlauf war dann wie üblich.

Nach der Prozession (bei der Großen Kirmes nach dem Hochamt, da hier keine Prozession stattfindet) ziehen die Burschen, vorweg der Platzmeister, in ihrer Mitte der Pfarrer und die Blaskapelle im Gleichschritt auf den Saal. Nach dem kurzen traditionellen Frühschoppen wird dann zu Hause das Kirmesfestmahl genossen.  Von 15-18 Uhr kommen dann die Kinder zu ihrem Recht. Beim Kindertanz und wenn Schausteller anwesend sind, können sich die Kinder austoben. Die Erwachsenen, die sich nach einer ausgiebigen Kaffeetafel mit vorzüglichen Kirmeskuchen gestärkt haben, verfolgen dann beim Verdauungsspaziergang  belustigt das Treiben der Kinder auf dem Saal oder Spellhob. Von 18-20 Uhr ist dann Pause für ein ausgiebiges Abendbrot. Am Abend ist dann die Tanzfläche für die Erwachsenen präpariert. Am ersten Tag erhalten die Fremden den Vortritt beim Tanzen. Aber auch ältere Ehepaare versuchen noch ein Tänzchen. Die Platzmeister und Burschen sorgen für Ordnung und Sauberkeit sowie für gute Stimmung. Während des Kirmestanzes wird den auswärtigen Burschen, die ein Mädchen aus dem Dorf haben, ein „Jagdschein“ verliehen. Den ortsansässigen Burschen wird die „Beischlafgenehmigung“ erteilt. Nach einer Extratour werden die Scheininhaber mit ihren Mädchen von einigen kräftigen Burschen zu Theke getragen, wo sie eine große Runde ausgeben müssen. Ist das Kirmeswetter und die Musik gut, können die Unkosten schnell gedeckt und sogar ein Überschuss erzielt werden. Früher nahmen die Platzmeister das finanzielle Risiko auf ihre Schultern. Wurde ein beträchtlicher Überschuss erzielt, so erzählte man, sprang für die Platzmeister ein guter Anzug heraus. Heute gelangen die Überschüsse in die Vereinskasse. Mit diesen Geldern kann dann in der Zukunft gewirtschaftet werden. Wenn spät in der Nacht die Platzmeister Feierabend gebieten, wird oftmals meist in kleinem Kreis zu Hause weiter gefeiert und noch „Kaffe getrunken“.

Der zweite Kirmestag beginnt mit einem Seelenamt für die Verstorbenen der Gemeinde. Bei diesem Burschenamt übernehmen die Platzmeister den Dienst am Altar. Zur Kirchweih erfolgt nach dem Burschenamt eine Prozession auf den Friedhof, um dort für die Verstorbenen zu beten. Daran schließt sich ein Frühschoppen an, der länger und kräftiger durchgeführt wird, als der am ersten Tag. Zu verschiedenen Anlässen gibt es auch mal ein Fass Freibier, gespendet durch Sponsoren. Ein Schnellgericht, bestehend aus den Platzmeistern, dass anhand aktueller und besonderer Anlässe kleine Geldstrafen für Delikte der Burschen (zu spät kommen, Dienste nicht wahrgenommen usw.) verhängt, ist während des Frühschoppens aktiv. Ab 15 Uhr ist  dann wieder Kindertanz, darauf folgt eine Pause und am Abend ist Tanz für die Erwachsenen.

Der dritte Kirmestag hat keinen offiziellen Charakter mehr. Man trifft sich in kleiner Runde und wertet die Kirmes aus. Je nachdem wie jeder Urlaub bekommt bzw. wie Interesse an dieser Veranstaltung besteht. Die Beteiligung an diesem Tag ist daher von den Burschen sehr unterschiedlich. Es wird auf dem Saal und im Umfeld die Ordnung wieder hergestellt. In den 60er bis Anfang der 80er Jahre war die Gaststätte oftmals am dritten Tag geschlossen. Die Burschen trafen sich dann auf dem Sportplatz, bei „Sattlers“ (Lebensmittelgeschäft Ringleb) oder bei einem Burschen zu Hause und ließen das Fest, manchmal sehr kräftig, ausklingen.

Bei der Fastnacht war der Verlauf ähnlich. Nur hier gab es keine kirchlichen Handlungen. Die Fastnacht beginnt für die Öffentlichkeit mit dem Kindertanz am Sonntag und am Montag mit dem Umzug, dann folgt der Frühschoppen.

1957 wurde auf dem Friedhof ein neues Kriegerdenkmal errichtet. Staatlicherseits wurde es nicht gern gesehen. Auf den Steintafeln sind die Gefallenen des 2. Weltkrieges verewigt (die Gefallenen des 1.Weltkrieges sind auf einer Tafel unterhalb der Kirche, beim Aufgang von der Hauptstraße). Unter ihnen befinden sich auch viele Mitglieder des Burschenvereins.
In der Anzeige zur Fastnacht 1960 lud die Sportgemeinschaft zum Tanz ein. Sonntag war um 19 Uhr Kappenball und Montag um 19 Uhr Maskenball mit Prämierung. Die Sommerkirmes 1960 fand am Mittwoch, den 29.  und Donnerstag, den 30. Juni statt. Jeweils war ab 15 Uhr Tanz mit der Kapelle BTO. Zur Kirmes luden die Kirmesburschen ein. Die Herbstkirmes fand am Sonntag, den 23. und Montag, den 24. Oktober statt, zu der wieder die Kirmesburschen einluden. Die Tänze fanden wie bei der Kleinen Kirmes statt.

1961 wurden die Kirmesveranstaltungen wie im Vorjahr begangen. Als Veranstalter war der Sportverein in der Zeitung zu lesen. Der eigentliche Veranstalter aber war der Burschenverein. Da man staatlicherseits nicht als offizieller Verein geführt wurde und nur offizielle Verbände oder Vereine öffentliche Veranstaltungen genehmigt bekamen, griff man auf den Sportverein zurück. Die meisten Mitglieder des Burschenvereins waren auch gleichzeitig Mitglieder des Sportvereins.

1964 fand das Patronatsfest am 28. und 29. Juni statt. An beiden Tagen war jeweils ab 15 Uhr Tanz. Es spielte die beliebte Kapelle „Astoria“. Die Kirchweih fand am 18. und 19. Oktober wieder mit der Kapelle „Astoria“ statt. Hierzu luden die Kirmesburschen ein. Die Einhaltung der staatlichen Bestimmungen beim Benennen des Veranstalters wurden durch die Anzeigenannahme manchmal nicht so streng gehandhabt. Diese Kirmes war die letzte, die auf dem Saal der inzwischen nicht mehr existierenden Gastwirtschaft „Zur Krone“ stattfand. Der Saal wurde sonst von der Zigarrenfabrik genutzt. Da in dieser Zeit der Saal der Gaststätte „Zur Farbe“ renoviert wurde, kam der „Kronesaal“ in Gebrauch. Um die Kirmes durchführen zu können, musste das gesamte Inventar der Zigarrenfabrik vom großen in den kleinen Saal umgeräumt werden. Nach Beendigung der Kirmes wurde in der Nacht nach der Tanzveranstaltung durch die Kirmesburschen alles wieder zurück an seinen Platz gebracht. Am anderen Tag mussten wieder Zigarren gerollt werden können.

Der Fasching 1970 fand in Rustenfelde ohne Tanz statt. Abgesehen  von den Kriegsjahren gab es das vorher noch nicht. In dieser Zeit wandelte sich auch der Musikgeschmack der Jugend. Sie wollte nicht mehr wie bisher überwiegend Blasmusik zum Tanz hören. Beat- und Rockmusik waren jetzt aktuell. Dies wirkte sich auch auf den Burschenverein aus. Das Interesse an Fastnacht und Kirmes ließ etwas nach. Dieser Trend ließ sich auch daran erkennen, dass 1973 letztmalig zur Kleinen Kirmes Ständchen ins Dorf gebracht worden. Es wurden dann teilweise Musikgruppen bestellt, die aufgrund ihrer Ausrüstung keine Ständchen mehr bringen konnten. In späteren Jahren wurde nochmals versucht, diese Tradition  aufleben zu lassen. Es blieb bei einem einmaligen Versuch. Da die Kapellen im Laufe der Zeit immer höhere finanzielle Stundensätze hatten, wurde davon Abstand genommen. Das Ständchenbringen lebt nur am Rosenmontag weiter. Während des Umzuges wird den Honoratioren des Dorfes ein Ständchen gebracht. Diese revangieren sich als gute Sponsoren mit Geld und Naturalien.

Es kam auch vor, dass zur Prozession nach dem Hochamt des Patronatsfestes keine Blasmusik gespielt hat. Es wurde später eigens eine Blaskapelle (meist die „Uderaner Musikanten“) bestellt, die zur Prozession, beim anschließenden Marsch auf den Saal sowie zum musikalischen Frühschoppen spielten. War die Möglichkeit vorhanden, spielten auch Bläser am zweiten Tag der Kirchweih beim Gang zum Friedhof.

1974 gab es einen Versuch, innerhalb des Burschenvereins Karneval mit Büttenreden usw. aufzubauen. Der Versuch wurde aber nicht zum Erfolg. Zu Fasching 1974 lud der Dorfklub (unter diesem Namen firmierte der Burschenverein zeitweise in der Zeitung zu DDR-Zeiten) sowie der Rustenfelder Karneval Verein (RCV) ein. Die Einladungen zur Kirmes und zur Fastnacht waren in der Zeitung mit recht unterschiedlichen Veranstaltern unterzeichnet. Die Gründe dafür wurden weiter vorn beschrieben. Sie lauteten ua.: Die Kirmesburschen, die Sportgemeinschaft, die Freiwillige Feuerwehr, der Dorfklub, der Rustenfelder Karnevalsverein. Hinter all diesen Namen verbarg sich aber immer der Burschenverein.

In den 70er Jahren spielten oftmals die Kapellen Kaltenhäuser aus Gernrode, Pfad aus Kreuzebra sowie die Sterncombo aus Leinefelde (Erkennungslied: „Es steht ein Pferd auf dem Flur“) zum Tanz auf. War der Kassenstand gut, so konnten Kirmesnachfeiern usw. veranstaltet werden.

Der Rosenmontagumzug 1981 musste, da die bestellte Kapelle wegen eines anderen Termins verhindert waren, ausfallen. Es wurde am Morgen gleich mit dem Frühschoppen begonnen. Bei diesem spielten zwei Musikanten aus dem Dorf.

Die Burschenversammlung am Vorabend der Sommerkirmes 1981 waren 35 Mitglieder anwesend. Im Durchschnitt lag die Beteiligung an dieser Versammlung bei 30 Mann. Es gab aber auch Versammlungen mit 50 und mehr Anwesenden oder das Negativbeispiel, bei der nur 15 Mitglieder anwesend waren. Da die Musik sowie die laufenden Kosten in den letzten Jahren immer mehr gestiegen waren, wurde bei der Versammlung beschlossen, den Betrag, der von jedem Burschen für die Kirmes bzw. Fastnacht zu entrichten war, um 5 Mark zu erhöhen. Ledige bezahlten nun 20 Mark und  Verheiratete bzw. Burschen mit Mädchen 25 Mark als Anzahlung. Wenn wichtige Angelegenheiten kurzfristig einer Entscheidung bedurften, kam es auch vor, dass außerordentliche Burschenversammlungen durchgeführt wurden, die in keinem zeitlichen Zusammenhang mit den drei großen Festen standen.

Eine weitere Einnahmequelle erschloss man, indem der Burschenverein in unregelmäßigen Abständen Discoveranstaltungen durchführten. In dieser Zeit waren die Veranstaltungen gut besucht und die Discjockeys nahmen noch geringe Gagen. Somit konnte die Burschenkasse  weiter aufgebessert werden. Ab Mitte de 80er Jahre ging man dazu über, eine Disco jeweils schon am Freitag oder Samstag vor der Kirmes oder Fastnacht zu veranstalten. Anfang der 90er Jahre ließ das Interesse der Jugendlichen an solchen Discos erheblich nach und sie wurden dann nicht mehr durchgeführt.

Da für das Patronatsfest des Jahres 1982 aus Termingründen keinen Kapelle zu bekommen war, wurde am 12. Juni eine Kirmesvorfeier veranstaltet. Unsere Kleine Kirmes feierten wir dann eine Woche nach dem eigentlichen Termin am 4. und 5. Juli. Eine weitere Ausnahme gab es zur Kirchweih im Herbst 1982. Wie schon einmal Ende der 70er Jahre fanden die kirchlichen Feierlichkeiten  Samstag und Sonntag statt. Die entsprechenden Musikgruppen machten montags keine Musik, da sie keinen Urlaub für diesen Tag opfern wollten. Dieses Verhalten fand unter der Dorfbevölkerung nur wenig Verständnis. Leider wurde in den 90er Jahren die Feier am Samstag/Sonntag durchzuführen zu einem Dauerzustand.

Der Rosenmontag 1984 sowie der anschließende Frühschoppen wurde von unserer Dorfkapelle musikalisch gestaltet. Heinrich Schneemann II, Edgar Ringleb, August Schneemann und Alfred Sittel machten eine prima Stimmung. Zum Patronatsfest im selben Jahr wurde die alte Tradition des Ständchenbringens noch einmal durchgeführt, aber leider nicht mehr fortgesetzt.

Beim Rosenmontag am 18. Februar 1985 gab es nur wenig Musik. Es war -15°C kalt. Den Musikern froren die Instrumente ein. Sie konnten nur mit Mühe unterwegs für ein kurzes Lied wieder aufgetaut werden.

In den 80er Jahren spielten hier die Musikgruppen. Unitas, Meteor, Sterncomo, Tornado-Band, Santo, Kristall, BTO Kreuzebra u.a..

Der Rosenmontagsumzug am 2. März 1987 musste infolge starken Schneefalls und Sturmes ausfallen. Die Masken und der Strohbär waren bereits verkleidet. Innerhalb kurzer Zeit war fast kein Durchkommen durch den hohen Schnee mehr möglich. Während des Maskenballs wurde zu vorgerückter Stunde die Kasse mit den Einnahmen des Abends für einen kurzen Moment aus den Augen gelassen. Dies genügte und die Kasse war gestohlen. Der Dieb konnte nicht ermittelt werden. Für die Kirmesburschen war dies ein erheblicher Verlust. Die Platzmeister kamen weitestgehend für den Schaden auf. Glücklicherweise war aber schon vorher die Kapelle bezahlt worden, sodass „nur“ ein Schaden von ca. 700 Mark entstand.

Am 13. Januar 1989 war folgende Anzeige in der Zeitung zu lesen. „Eilt! Suche dringend Tanzformation für Fasching am 5. und 6.2.1989. Dorfklub Rustenfelde“. Nach langem Suchen und vielen Telefonaten gelang es, die Gruppe „Stratus“ aus Halle zu bekommen. Diese Gruppe hatte einen etwas ausgefallenen Musikstil, aber beide Seiten gingen aufeinander zu  und man erreichte auch mit einigen ausgefallenen Musikinstrumenten (Waschbrett, Kochtopf usw.) eine hervorragende Stimmung. Allerdings war die Gruppe mit 2600 Mark ziemlich teuer. Beim Maskenball wurden zehn Masken prämiert.

Zur Herbstkirmes gab es abermals Schwierigkeiten mit der Musik. Am Kirmessamstag sagte die Kapelle ab. Ein Mitglied der Gruppe war von der Westreise nicht wieder zurückgekommen. Für die Platzmeister begann nun das große Schwitzen. Den ganzen Samstag wurde telefoniert und umhergefahren. Dann gelang es endlich, eine Kapelle zu finden. Es waren die „Pepinos“ aus Küllstedt. Durch die Kurzfristigkeit des Engagements war es nicht möglich, den Frühschoppen am Montag mit handgemachter Musik zu gestalten. Man behalf sich mit einem Kasettenradio.

Die Fastnacht 1990 verlief wie üblich, aber nachdem die Grenze geöffnet hatte und von staatlicher Seite nicht mehr Einfluss genommen wurde, konnte das Fest mit neuen Möglichkeiten gestaltet werden. Auch einige Neugierige aus der westlichen Nachbarschaft konnten begrüßt werden.

Am 23. Juni 1990 fand eine vorgezogene Burschenversammlung statt. Der Grund dafür war die kommende Währungsumstellung. Es wurde beraten, wie am besten der finanzielle Übergang für den Verein gestaltet werden sollte. Man fand einen guten Weg, sodass es für die Burschen zu keinen großen Verlusten kam. Die Kapelle wurde im Voraus bezahlt, sie nahmen den doppelten Preis. Auch die Getränke für das Fest wurden vorher beschafft. Am Samstag, dem 30. Juni wurde eine Disco veranstaltet, die sehr gut besucht war. Das letzte DDR-Geld wurde verjubelt. Um 24 Uhr wurde das Westgeld begrüßt. Es herrschte eine Stimmung wie zu Silvester. Am Sonntag war der Kirmestanz gut besucht. Es wurden 200 Eintrittskarten verkauft. Eintritt, Getränke usw. mussten nun in D-Mark bezahlt werden. Am Montag fand keine Tanzveranstaltung mehr statt. Der Frühschoppen wurde auch ohne Musik durchgeführt. Gleichzeitig war Kirmesbeerdigung, die sonst immer am Dienstag stattfand.

Der Rosenmontagsumzug 1991 fiel aus, da wegen der Golfkrise, fast überall, sogar im Rheinland, die Umzüge nicht stattfanden, außerdem machte die bestellte Gruppe keine Umzüge. Jeder brachte von zu Hause Wurst mit und so begann der Tag mit dem gemeinsamen Essen. Trotzdem war die Stimmung gut.

Seit der Sommerkirmes werden beide Kirmesfeiern am Samstag und am Sonntag mit Tanzveranstaltungen begangen. Die kirchlichen Feiern sind davon unberührt. Die jeweilige Burschenversammlung findet am Freitag  davor oder, wenn sich dies als ungünstig erweist, schon eine Woche vorher am Freitag oder Samstag statt. Der Eintrittspreis bei der Tanzveranstaltung betrug bei dieser Kirmes 6 DM. Seit ca. Mitte der 70er Jahre war nun wieder Karussell und Schießbude bei der Kirmes vertreten. Die Schausteller sind nun öfter bei den Kirmessen vertreten, meist zur Herbstkirmes. Damit gibt es für die Kinder mehr Möglichkeiten, sich zu vergnügen.

Durch die Kirchengemeinde wurde im Jahr 1992 ein neuer Himmel für die Prozessionen angeschafft. Der alte Himmel hatte schon viele Jahre seine Dienst versehen und viele Generationen von Platzmeistern haben dem Allerheiligsten das Geleit mit diesem Himmel gegeben. Der alte Himmel stammt aus der Zeit Anfang des 20.Jh. Zu den Aufgaben der Platzmeister gehört auch der Auf- und Abbau sowie die Einlagerung des Himmels.

Zur Kirchweih 1992 wurde der Spellhob wieder seit langer Zeit bei der Kirmes genutzt. Die Schausteller hatten hier ihr Domizil aufgeschlagen. Wenn das Wetter ungünstig ist, stehen sie in der Kalitsche in der Nähe der Gaststätte. Ihr Angebot wird von den Kindern eifrig genutzt.

Bei der Fastnachtsveranstaltung 1993 war der Besuch außerordentlich gut. Viele Auswärtige nahmen daran teil. Der Rosenmontagsumzug wurde von der dorfeigenen Musikkapelle bestritten. Beim Umzug und anschließendem Frühschoppen nahmen die Schüler der hiesigen, erst 1992 eröffneten Grundschule teil. Dadurch verlängerte sich der Zug auf das Doppelte. Auf dem Saal führten die Schüler eine Mini-Playback-Show auf. Dies kam bei den Beteiligten sehr gut an. Leider war durch die große Teilnehmerzahl fast kein Platz mehr auf dem Saal zu finden. Auch die Versorgung der hungrigen und durstigen Leute war ein großes Problem. So kam man mit der Schule überein, dass in Zukunft die Umzüge bzw. Faschingsfeier getrennt werden.

Was sich in den letzten Jahren durch die weltlichen Feier am Samstag/Sonntag zeigte, war, dass die Tanzveranstaltungen am Samstag immer gut, sonntags aber nur mittelmäßig besucht waren. Am Sonntag sind fast nur die Leute aus dem Dorf auf dem Saal. Auswärtiger Besuch wurde gegenüber früher seltener. Auch der Beginn des abendlichen Tanzes zieht sich in die Länge. Bis 21 Uhr ist der Saal meist erst bis zur Hälfte gefüllt. Erst dann kommt ein Großteil der Besucher. Dafür wird bis in den frühen Morgen getanzt.

Eine große Kälte am Rosenmontag 1994. -12°C zeigt das Thermometer. Es wurde nur ein kurzer Rosenmontagsumzug abgehalten. Man zog nur durch das Oberdorf, da den Musikern die Instrumente zufroren. Dagegen war es zum Patronatsfest sehr heiß. Diese Kirmes war sehr gut besucht. Am Samstag allein wurden 230 Karten verkauft. Wegen der große Hitze und der vielen Menschen wurde von vielen der Saal nach jeder Tanztour verlassen, um sich am der frischen Luft abzukühlen. Auch die Kirchweih in diesem Jahr war sehr gut besucht.

1995 konnte zum Patronatsfest am Samstagabend ein neuer Besucherrekord mit 300 verkauften Karten erzielt werden. Zu dieser Kirmes war ein Großteil des Färberhofes mit einem Zelt überdacht und darin waren Tische und Bänke aufgestellt.

Das Patronatsfest 1996 konnte seit langen Jahren einmal wieder auf den Tag gefeiert werden. Der 29. Juni war ein Samstag. So wurde der Tag mit Hochamt, Prozession und Frühschoppen begonnen. Leider litt der Tanz am Samstagabend unter der Übertragung des Endspieles der Fußballeuropameisterschaft. Wir wurden dann mit dem Gewinn der Meisterschaft entschädigt. Der Sieg wurde dann auf dem Saal kräftig gefeiert. Am 27. Juli kamen die Freunde der Blasmusik zu ihrem Recht. Durch den Burschenverein wurde der Abend gleichzeitig als Kirmesnachfeier begangen. Dieser Abend wurde überwiegend von den älteren Dorfbewohnern besucht.

Der Spellhob wurde 1995/96/97 durch die Gemeinde mit Fördermitteln des Dorferneuerungsprogramm saniert. Nun kann er wieder zu vielfältigen Aktivitäten genutzt werden. Durch den Burschenverein nun ein Weihnachts- bzw. Neujahrstanz organisiert. Diese Veranstaltungen sind immer gut besucht. Da man in den letzten Jahren guten gewirtschaftet hatte  und die Besucherzahlen der Tanzveranstaltungen im Allgemeinen gut besucht  waren, konnte ein finanzielles Polster angelegt werden. Eine zusätzliche Veranstaltung ist somit kein Risiko mehr.

Für die Kirmesburschen wurden zu Fastnacht 1997 als Erkennungszeichen große Fliegen durch die Platzmeister gekauft. Leider hielten die meisten Fliegen nur bis zum Ende der Fastnacht. Beim Maskenball wurden so viele Masken wie noch nie vorher prämiert, viele hatten sich originelle Verkleidungen einfallen lassen. Bei der Burschenversammlung aus Anlass des Patronatsfestes 1997 kam zum ersten Mal der Vorschlag, den Burschenverein als „eingetragenen Verein“ registrieren zu lassen. Hauptsächlich waren versicherungstechnische Überlegungen dabei maßgebend. Am Sonntag war es sehr warm und abends sehr schwül. Zwischen 21 und 22 Uhr ging ein starkes Gewitter nieder. Im Altkreis Worbis weitete sich dieses zu einem Unwetter aus. Ein Strommast bei Leinefelde wurde abgeknickt. Wir wurden bis zum Montagmittag von der Stromversorgung abgeschnitten. Dies tat aber der Stimmung auf dem Saal keinen Abbruch. In der Zeit, in der die Musikgruppe wegen des Stromausfalls nicht spielen konnte, beteiligten sich alle auf dem Saal und erzeugten durch Singen und allerei Späße eine hervorragende Stimmung. Inzwischen waren die Burschen nicht untätig. Es wurde ein Notstromaggregat organisiert. Die Musik und die Beleuchtung konnten nun in etwas gedämpfter Form weitergehen.

Am 23. und 24. August 1997 konnte der renovierte Spellhob (Anger) nach der Sanierung eingeweiht werden. Am Samstagabend wurde er mit einer Open-Air-Veranstaltung mit der Gruppe „Flamingo“ eingetanzt. Der Besuch war hervorragend. Die Hauptstraße wurde gesperrt und der Verkehr über die Straße Richtung Zimmerplatz – Ortausgangs Rohrberg umgeleitet. Auch ein Verkaufswagen mit warmen Speisen aus Heiligenstadt war gekommen. Auf dem Spellhob war extra eine Bühne für die Kapelle, ein Schwungsaal, Tische und Bänke für die Besucher aufgestellt. Das ganze Areal war mit einem Bauzaun abgegrenzt, sodass niemand die umsonst die Veranstaltungen besuchen konnte. Am Sonntag nach dem Hochamt zog die ganze Gemeinde von der Kirche auf den Spellhob. Dann erfolgte die Segnung des Platzes durch Pfarrer Hoffmann. Es folgte ein zünftiger Frühschoppen. Nachdem sich die Kapelle verabschiedet hatte, wurde die Feier bis in die Abendstunden fortgesetzt. Alle Arbeiten, die im Zusammenhang mit diesem Fest standen, wurden vom Burschenverein durchgeführt. Mittlerweile ist das „Angerfest“ zu einer guten Tradition geworden. Der Burschenverein hat die Verantwortung für dieses Fest übernommen.

Beim 2. Angerfest am 27. Juli 1998 wurde ein neuer Besucherrekord erzielt. Es kamen 500 Besucher. Auch das Umfeld war gut hergerichtet worden. Sogar der Kirchturm wurde am Abend mit Scheinwerfern angestrahlt. Am Sonntag war um 9.30 Uhr das Hochamt auf dem Spellhob. Anschließend war ein musikalischer Frühschoppen mit den „Kefferhäuser Musikanten“. Einige Sponsoren stifteten Freibier. Für die Kinder war eine Hüpfburg aufgebaut.

Zur Großen Kirmes 1998 konnten wir die Mitgliederzahl unseres Vereins wesentlich erhöhen. 14 Jugendliche traten dem Verein bei und zeigten damit ihr Interesse an der Kirmes und Fastnacht. Dieses Zeichen lässt uns guten Mutes in die Zukunft sehen.

Zur Fastnacht 1999 wurden einige neue Masken für den Umzug angeschafft. Die alten Masken waren schon sehr betagt. Zum Teil stammten sie aus den 30er Jahren. Restaurierungen hielten sie solange am Leben. Nun gingen sie in den verdienten Ruhestand. Beim Maskenball wurden nur drei Preise für die besten Masken vergeben.

Zur Burschenversammlung anlässlich des Patronatsfestes 1999 waren fast 50 Mitgliedern anwesend, was ein starkes Interesse an der Kirmes zeigte. Leider war bei dieser Kirmes der Besuch von außerhalb nur mittelmäßig.

Der samstägliche Tanz aus Anlass des Angerfestes fand wegen leichten Regen und kühlen Temperaturen auf dem Saal statt. Der sonntägliche Frühschoppen mit den „Uderaner Musikanten“ auf dem Spellhob litt unter den kühlen Temperaturen. Die Zahl der Anwesenden war nur mittelmäßig. Dafür sorgten die, die gekommen waren, für gute Stimmung.

Zur Großen Kirmes 2000 übernahm ein neues Thekenteam die Bedienung auf dem Saal. Friedel Klöppner mit seiner Mannschaft hatte über 30 Jahre die Bedienung in Rustenfelde durchgeführt. Nun kam, ein neues Team aus Gerbershauen/Hohengandern.

Da die Vereinskasse einen Überschuss aufwies, konnte man ein großes Zelt für einen günstigen Preis aus Schönau kaufen. Mit diesem Zelt lassen sich jetzt auch einige Freiluftaktivitäten ermöglichen, ohne vom Wetter zu sehr abhängig zu sein.

Nach der Prozession anlässlich des Patronatsfestes 2001 bekam Pfarrer Hoffmann von den „Uderaner Musikanten“ ein Abschiedsständchen gespielt. Im Sommer verließ er unsere Gemeinde und Pfarrer Trapp aus Birkenfelde übernahm zusätzlich unsere Gemeinde. Er wird unterstützt von Diakon Dettenbach aus Heiligenstadt.

Für alle Mitglieder des Burschenvereins wurden Schlipse angeschafft mit der Aufschrift. „Burschenverein Rustenfelde“. Zusammen mit einem weißem Hemd und einer dunklen Hose kann man sich nun bei offiziellen Anlässen auch außerhalb der Gemeinde zeigen.

Durch die Gemeinde wurde eine Kegelbahn in Verlängerung des Saals gebaut. In die Bauarbeiten wurde auch ein Umbau des Eingangs-, Theken- und Bühnenbereiches einbezogen. Der Saal wurde umfassend renoviert und erhielt ein neues Gesicht. Zur Großen Kirmes konnte er wieder benutzt werden.

Die schon lange im Raum stehende Frage einer offiziellen Eintragung des Burschenvereins wurde immer aktueller. Bei einer außerordentlichen Burschenversammlung im November 2002 fasste man den Entschluss, dass der Antrag auf Eintragung  in das Vereinsregister gestellt wird. Am 15.12.2002 erfolgte die Gründungsversammlung als offizieller Verein. Darin eingebunden war die Wahl eines Vorstandes. Zum Vorsitzenden wurde Falko Degenhardt gewählt, Stellvertreter Bürgermeister Ulrich Hesse, Markus Ringleb als Schatzmeister sowie Uwe Fischer und Johannes Meißner. Die Organisation der Festlichkeiten im Jahr bleibt aber weiterhin in der Verantwortung de Platzmeister, die auch zukünftig im üblichen Zeitrahmen tätig sind. Der Vorstand steht nur im Hintergrund und gibt bei Schwierigkeiten Unterstützung. Der Mitgliedsbeitrag wurde auf 50€ jährlich festgesetzt. Die bisherige Regelung, nur zur Fastnacht und zu den Kirmessen anzuzahlen, wurde fallen gelassen. Zum 1. Januar 2002 wurde der Burschenverein in das Vereinsregister eingetragen.

Zum Landeskirmesburschentreffen in Lindewerra am 27. und 28.  Juli 2002 war eine große Abordnung unseres Vereins gereist. Beim Umzug wurde der Verein würdig vertreten. In der Mitgliederliste sind rund 80 Burschen eingetragen.

Das Angerfest des Jahres 2002 fand am 17. und 18. August statt. Es war wieder gut besucht. Am Sonntag war auf dem Spellhob Wortgottesdienst mit Diakon Dettenbach. Daran schloss sich der Frühschoppen mit den „Iberg Musikanten“ an. Dabei entstand die Idee, den erst kürzlich bei der Hochwasserkatastrophe in Sachsen Geschädigten zu helfen. Bei der Spendensammlung kamen 760€ für die Opfer in Schmiedeberg im Erzgebirge zusammen. Das Geld wurde durch die Geschädigten freudig angenommen.

Zum Kauf eines neuen Feuerwehrautos gaben die örtlichen Vereine der Gemeinde finanzielle Unterstützung. Da auch ein neues Feuerwehrgerätehaus gebaut wird und die Gemeinde in den letzten Jahren einige Buamaßnahmen durchgeführt hat, ist die Gemeindekasse leer.

Erstmalig wurde durch den Burschenverein am 4. Advent 2002 ein vorweihnachtlicher Nachmittag veranstaltet. Die Schüler der hiesigen Grundschule führten ein Programm auf. Bei dem gemütlichen Nachmittag stimmte man sich auf das Weihnachtsfest ein.

Der Jahresabschlusstanz am 28. Dezember 2002 war gut besucht. Die Gruppe „Antares“ sorgte für die Musik.

Der jetzige Burschenverein pflegt die langjährigen Traditionen der Burschenvereinigung und trägt die Hauptverantwortung für die Vorbereitung und Durchführung der alljährlichen Kirmessen und Fastnacht. Möge ihn auch in Zukunft Gottes Segen und Erfolg bei allen Aktivitäten begleiten.

Gesammelt und aufgeschrieben Fastnacht 2003 von Frank Heyduk.

Quellen:

Liturgie in der Geschichte des Christentums
Die schönsten Dorfanger des Eichsfeldes
Lexikon Untereichsfeld
Kirmes im Eichsfeld
Die kirchliche Verwaltung des Eichsfeldes
Eichsfelder Marienkalender
verschiedene Jahrgänge der Tageszeitungen
eigene Aufzeichnungen